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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Was ändert sich in der Musik, die man spielt und komponiert, wenn man von Argentinien plötzlich nach Deutschland kommt?
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01.12.2002 / 18.40
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Antwort von Daniel Messina
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| Sie ändert sich in ihrem Ursprung nicht, weil die Emotionen für die Kompositionen weiter wirken. Man entwickelt sich weiter, weil man neue Gefühle hat und neue Erfahrungen macht und entwickelt sich mit anderen Farben, die man vielleicht früher so nicht gedacht hat. Aber es ist eine unerwartete Überraschung: man bleibt weiter kreativ, mit neuen Farben.
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01.12.2002 / 18.41
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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Merkt man, dass sich etwas verändert, oder ist es eher ein schleichender Prozess?
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01.12.2002 / 18.42
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Antwort von Daniel Messina
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| Es verändert sich, weil ich mit der Sprache auch eine neue Kodifizierung lernen muss - den Rhythmus und die Mentalität von den Menschen hier in Deutschland, und zwar nicht nur der Deutschen selbst, sondern auch der hier lebenden Ausländer.
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01.12.2002 / 18.42
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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Ändert sich auch die Kodifizierung in der Musik?
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01.12.2002 / 18.43
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Antwort von Daniel Messina
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| Ja, teilweise schon. Ich mache in meiner Musik nichts, was nicht mein Gefühl anspricht. Es handelt sich aber um Rhythmen, die hier nicht so bekannt sind, und darüber muss ich mit den Musikern reden. Unsere Sprache ist der Rhythmus.
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01.12.2002 / 18.43
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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Ist es schwierig, argentinische Kodifizierungen zu vermitteln?
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01.12.2002 / 18.43
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Antwort von Daniel Messina
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| Zwei Antworten: Ich muss zunächst vermitteln, was mir die Komposition bedeutet, warum ich das so komponiert habe und was ich erwarte. Das andere ist: Ich spiele Rhythmen sehr von innen heraus. In Deutschland ist man solche Akzente in der Musik nicht gewöhnt, empfindet anders, und ab und zu passieren sehr lustige Sachen. Aber die Entwicklung ist sehr positiv, und ich kann mit meiner Band sehr kreativ arbeiten.
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01.12.2002 / 18.44
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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Nun gibt es ja einen Siegeszug der spanischen Sprache in Deutschland, gleichzeitig auch spanischer Musik wie Salsa usw. Was hat sich verändert?
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01.12.2002 / 18.44
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Antwort von Daniel Messina
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| Ich bin auch überrascht, wie viele Salsa-Clubs es inzwischen gibt und wie stark das Interesse der Deutschen speziell an Tango oder Salsa ist. Vielleicht weil es exotisch ist? Viele Leute machen Reisen und lernen dabei die Musik kennen. Sie erfahren, dass Musik und Tanz - z.B. bei afro-lateinamerikanischer Musik in Kuba oder Zentralamerika - nicht getrennt werden. Es ist perkussive Musik und Tanz gleichzeitig. Deutschland ist kulturell sehr offen, und diese ganze Palette mit Rhythmen und Energien macht die Leute neugierig.
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01.12.2002 / 18.45
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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Verändert Salsamusik die Deutschen? Werden sie dadurch "lateinischer"?
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01.12.2002 / 18.45
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Antwort von Daniel Messina
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| Ich glaube, dass die Deutschen im Prinzip kultursüchtig sind. Sie mögen andere Kulturen, und sie mögen die Kulturen beobachten und lernen. Sie kommen in meine Konzerte, weil sie neugierig auf Latin-Jazz sind. Da kommen viele Sachen, die man nicht jeden Tag im Radio hört.
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01.12.2002 / 18.45
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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Manche sagen den Deutschen nach, dass sie in ihrer Musik eher traurig sind.
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01.12.2002 / 18.46
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Antwort von Daniel Messina
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| Ja, also Argentinien hat den Tango und der ist auch traurig und melancholisch. Ungarn hat auch eine Art Melancholie und andere osteuropäische Länder ebenfalls. Durch die internationalen Kontakte ändert sich aber etwas. Die neue Generation übernimmt schon viel mehr die Verschmelzung von Kulturen. Ich finde das sehr positiv. Deutschland ist kulturell offen. Als ich nach Deutschland kam, habe ich bei Null angefangen. Nach 11 Jahren kann ich meinen Beruf sehr glücklich ausüben, das wäre in meinem Land nicht möglich gewesen. Das System in Argentinien war falsch, die Politik korrupt. Aber man lernt in der schweren Entwicklung von Südamerika politisch und wirtschaftlich kreativ zu sein. Man schätzt es hoch, wenn man etwas schafft.
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01.12.2002 / 18.46
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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Gibt es im deutschen Publikum große Unterschiede?
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01.12.2002 / 18.46
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Antwort von Daniel Messina
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| Ich glaube schon, das hat mit bestimmten Regionen zu tun und manchmal mit dem Konzertsaal. Ab und zu ist das Publikum zurückhaltend und sehr respektvoll - sie hören zu, sie applaudieren und sind begeistert. Es gibt aber auch das Publikum in Deutschland, das anfängt zu schreien und zu singen. Das ist eine interessante Erfahrung. Es gibt Bands, die sind ganz ernst auf der Bühne und kommen nicht rüber, obwohl vielleicht die Musik sehr gut ist. Aber die Emotionen bleiben in der Ecke und schaffen die Verschmelzung mit dem Publikum nicht. Man muss sich aber vermischen. Ich gehe gern runter von der Bühne und spreche mit den Leuten.
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01.12.2002 / 18.47
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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Ist Stuttgart eine Jazz-Stadt?
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01.12.2002 / 18.47
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Antwort von Daniel Messina
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| Stuttgart hat für mich eine starke Jazz-Szene - eine große Menge von sehr bekannten und guten Musikern. Allerdings gibt es ein gewisses Schubladen-Denken, zum Beispiel wollen die Rock-Musiker manchmal mit den Jazz-Musikern nicht so viel zu tun haben, und umgekehrt. Deutschland ist ein wirkliches Jazz-Land, mit so vielen Clubs und Festivals. Das gibt es in kaum einem anderen Land. Mein Gefühl ist, dass Stuttgart vielleicht in den 70er und 80er Jahren einen starken Impuls im Jazz setzte. Jetzt hat es sich leider ein bisschen "zurückgezogen". Ich wünsche mir, dass sich manche Musiker mehr öffnen. Ich habe lange gebraucht, als Nicht-Deutscher in die Szene reinzukommen - das war schwierig.
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01.12.2002 / 18.48
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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Wo kann man deine Band in Stuttgart hören?
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01.12.2002 / 18.48
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Antwort von Daniel Messina
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| Ich mache unter anderem seit Januar 2001 eine Konzertreihe bei Buch Julius, "Jazz Edge on Saturday". Sie läuft sehr gut. Es kommen Leute jeden Alters, und ich bin glücklich über diese Gelegenheit.
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01.12.2002 / 18.49
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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Es gibt ja schon einige CDs und jetzt im Dezember eine neue. Was erwartet uns?
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01.12.2002 / 18.49
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Antwort von Daniel Messina
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| Die CD haben wir als Trio gemacht, also mit Piano (Ull Möck), Bass (Thomas Rotter) und Schlagzeug. Es ist meine Musik mit meinen Wurzeln, meinen Rhythmen und meinen Harmonien und Melodien und es sind alles eigene Kompositionen. Die CD hat viel Power, viel "Candombe" und eine sehr positive Stimmung - mit viel Lust auch auf neue Erfahrungen. Sie heißt "El Sol Sale", das bedeutet "die Sonne geht auf". Ein Sonnenaufgang bedeutet dabei auch immer Hoffnung auf bessere Zeiten und steht für die Erkenntnis, dass es trotz aller schwierigen Situationen im Leben auch immer wieder Momente geben wird, in denen die Sonne scheint. Und so, wie es momentan in der Welt aussieht, ist es an der Zeit, dass etwas Positives passiert.
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01.12.2002 / 18.50
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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Du kennst die Stuttgarter Zeitschrift "Begegnung der Kulturen". Hat dich erstaunt, wie viele nichtdeutsche Kulturangebote es gibt?
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01.12.2002 / 18.50
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Antwort von Daniel Messina
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| Ich wusste es nicht. Ich finde es super gut. Eine solche Zeitschrift sollte es in vielen Städten Deutschlands geben! Ich bin erstaunt, wie viele Künstler in Stuttgart Beiträge zur Verschmelzung der Kulturen leisten. Diese Verschmelzung bringt viel Neues. Das hat mich ein bisschen an meine Heimat erinnert. Argentinien ist praktisch ein Land von Ausländern. Die meisten Argentinier stammen von Auswanderern aus Europa ab, Italien, Deutschland, Spanien.
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01.12.2002 / 18.51
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Frage der Urbanum-Redaktion:
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Wie empfindest du das Klima in Stuttgart?
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01.12.2002 / 18.51
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Antwort von Daniel Messina
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| Ich habe viel Hilfe hier gehabt von vielen Deutschen und bin sehr dankbar. Stuttgart ist für mich eine Stadt, die strategisch sehr gut liegt in Europa. Diese große interkulturelle Mischung finde ich unglaublich schön. Stuttgart sollte sie schätzen und noch mehr nutzen, um eine internationale Stadt zu werden. Ab und zu habe ich das Gefühl, dass es hier Furcht gibt sich zu öffnen für die Welt. Hier macht mir die junge Generation Mut: Sie öffnet sich schon viel mehr und profitiert von der Verschmelzung der Kulturen.
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01.12.2002 / 18.52
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