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Frage:
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Frau Pauls, wie wird man Hauptperson in einem Buch?
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08.07.2003 / 09.24
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Antwort von Rita Pauls
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Die Antwort ist eindeutig: Ganz zufällig. Anscheinend. Alles im Leben ist zufällig oder vielleicht auch Fügung, das weiß ich nicht, aber ich habe zufällig Frau Lachauer, die Autorin dieses Buches, getroffen. Sie ist eine neugierige Person und hat mich mehr und mehr ausgequetscht, ausgefragt, und irgendwann hat sie die Idee gefasst, ein Buch über meine Familie zu schreiben.
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08.07.2003 / 09.24
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Frage:
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Sie hat Sie ausgequetscht worüber?
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08.07.2003 / 09.25
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Antwort von Rita Pauls
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Über alles mögliche, meine Geschichte, meine Familie, wie wir gelebt haben in Kasachstan, was wir so alles erlebt haben.
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08.07.2003 / 09.25
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Frage:
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Woran war Ulla Lachauer besonders interessiert?
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08.07.2003 / 09.25
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Antwort von Rita Pauls
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Die erste Zeit war sie überhaupt mit unserem Leben beschäftigt. Sie wusste gar nichts über uns...
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08.07.2003 / 09.29
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Frage:
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..."uns" heißt: die sogenannten Russland-Deutschen?
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08.07.2003 / 09.29
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Antwort von Rita Pauls
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Die sogenannten Russland-Deutschen, genau. Zunächst interessierte sie sich einfach für uns als Spezies. Als auch ich dann offener wurde und historische Themen ansprach, hat sie sich natürlich auch wahnsinnig für diese Seite interessiert.
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08.07.2003 / 09.29
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Frage:
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Was hat sie besonders interessiert? Ein typisches europäisches Schicksal aus den 90er Jahren oder 80er Jahren?
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08.07.2003 / 09.29
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Antwort von Rita Pauls
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Das müssen Sie allerdings sie selbst fragen. Ich denke, sie interessiert hauptsächlich das Thema Exodus. Heimat verlieren, Heimat finden. Ihre früheren Bücher handeln auch darüber. Sie hat Bücher über Westpreußen geschrieben, das Land, das sozusagen nicht mehr existiert.
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08.07.2003 / 09.31
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Frage:
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Sie haben Ihre Heimat 1989 verlassen. Ist das in Ihrer Erinnerung noch Ihre Heimat oder haben Sie jetzt zwei Heimaten?
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08.07.2003 / 09.31
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Antwort von Rita Pauls
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Die erste Zeit war das natürlich meine Heimat, ich habe noch Verbindungen gehabt, meine Freundinnen waren da, meine Lehrer, aber mit der Zeit gingen auch diese Verbindungen verloren. Freundinnen haben geheiratet, haben andere Prioritäten im Leben gehabt, und irgendwann lebt man sich auseinander oder geht in verschiedene Richtungen.
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08.07.2003 / 09.32
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Frage:
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Sie waren ja noch recht jung!
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08.07.2003 / 09.32
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Antwort von Rita Pauls
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Ich war 19. Das ist vielleicht der Grund, weshalb ich mich in Deutschland relativ schnell eingelebt habe, weil ich in einem Alter gekommen bin, in dem neue Wege noch frei waren. Ich wohnte in Kasachstan noch mit den Eltern und habe studiert. Mein eigenes Leben habe ich erst hier angefangen.
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08.07.2003 / 09.32
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Frage:
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Konnten Sie damals schon Deutsch sprechen?
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08.07.2003 / 09.33
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Antwort von Rita Pauls
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Kaum. Ich habe Deutsch als Fremdsprache gelernt in der Schule.
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08.07.2003 / 09.33
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Frage:
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Wie kommt es, dass man Sie zu den Russland-Deutschen zählt, Sie aber aus Kasachstan kommen?
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08.07.2003 / 09.43
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Antwort von Rita Pauls
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Das ist eine der häufigsten Fragen. Wie kann ich das erklären... In Kasachstan sind so viele Menschen auf einen Haufen "geworfen" worden, verschiedene Nationalitäten, fast alle, wie Sie wissen, aus demselben Grund. Und das ist der Grund gewesen, wieso es in Kasachstan kaum nationale Konflikte gab. Fast alle gehörten zu einer Nation: der Deportierten. Und das verbindet. Aber trotz dieser starken Verbundenheit und des Zusammenlebens lebte jede Nation für sich, manchmal in verschiedenen Stadtbezirken "abgetrennt" von den anderen. Und versuchte, ihre Religion, Kultur und Traditionen weiter zu bewahren. Es fand keine große "Völkervermischung" statt. Deshalb vielleicht wusste ich immer, dass ich Deutsche bin.
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08.07.2003 / 09.44
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Frage:
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Haben Sie denn jemals zurückverfolgen können, wer seinerzeit von Deutschland nach Russland ausgewandert ist und von wo Ihre Vorfahren kamen?
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08.07.2003 / 09.44
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Antwort von Rita Pauls
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In Kasachstan wusste ich wirklich nicht viel darüber, und ich habe mich nicht sonderlich dafür interessiert. Aber mit Hilfe von Ulla Lachauer haben wir zusammen die Familiengeschichte zurückverfolgt. Erst dann wurde mir bewusst, dass dieser Ur-Ur-Großvater aus Ostpreußen kam, aus dem Gebiet Danzig.
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08.07.2003 / 09.45
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Frage:
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... das ja einer der Schwerpunkte der Auswanderung gewesen ist.
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08.07.2003 / 09.45
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Antwort von Rita Pauls
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Genau. Er war der gute Peter wie ich jetzt weiß. Sie fragten, wieso ich mich deutsch fühlte. Das wurde ja auch immer betont, dass wir Deutsche sind. Nicht von uns, von den anderen.
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08.07.2003 / 09.45
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Frage:
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Sie wurden von den anderen integriert und doch immer als etwas anderes angesehen?
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08.07.2003 / 09.46
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Antwort von Rita Pauls
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Genau. Man hat uns immer wieder daran erinnert, das wir Deutsche sind, die Faschisten. In der Schule gab es ab und zu kleine Sticheleien. Viele Russland-Deutsche durften nicht an den Hochschulen studieren. Sogar noch zu unseren Zeiten gab es sogenannten Quoten, wonach nur 2 % Russland-Deutsche an den Hochschulen studieren durften.
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08.07.2003 / 09.46
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Frage:
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Und dann sind Sie direkt hier nach Stuttgart gekommen? Oder haben Sie noch eine Zwischenstation gemacht?
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08.07.2003 / 09.47
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Antwort von Rita Pauls
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Ich habe insgesamt 10 Zwischenstationen gemacht. Die erste Station war Lennéstadt, als wir da angekommen sind, da dachten wir "Leninstadt", bei Aalen irgendwo... Da waren wir ein paar Tage in "Quarantäne", es gibt verschiedene lustige Geschichten, was wir dabei gedacht haben. Wir waren in einer Kaserne und dachten, jetzt müssten wir desinfiziert werden oder so. Dann Osnabrück, Rastatt, Altensteig, Kehl, Frankenthal, Mannheim, Germersheim... Die Aufenthalte dauerten von einer Woche bis zu zwei Monaten. In Kehl hatte ich die erste Wohnung mit den Eltern, in Frankenthal einen Sprachkurs. In Mannheim machte ich mein Abi, dann begann ich ein Studium, mit Fortsetzung in Germersheim am Fachbereich für angewandte Sprach- und Kulturwissenschaften.
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08.07.2003 / 09.47
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Frage:
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...und jetzt sind Sie in Stuttgart. Wie haben Sie Ihre Anfangszeit hier in Stuttgart erlebt mit den Schwaben? War ein neuer Sprachkurs erforderlich?
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08.07.2003 / 09.48
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Antwort von Rita Pauls
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Ich hoffe, es wird nicht nötig sein. Ich bin müde von "Sprachenlernen"! Nach dem Studium in Germersheim habe ich ein Praktikum gemacht beim DaimlerChrysler-- Sprachendienst. Fast alle, die dort arbeiten, haben in Germersheim, Heidelberg oder Saarbrücken Sprachen studiert. Also keine Schwaben. Also, da habe ich eine Schonfrist gehabt. Allerdings verstehe ich diesen Dialekt langsam auch ein bisschen. Ich bin sogar überrascht, dass nicht so viel schwäbisch gesprochen wird, wie ich nach den ?Vorwarnungen? einiger Freunde erwartet habe.
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08.07.2003 / 09.48
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Frage:
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Und wie haben Sie Stuttgart erlebt in der ersten Zeit?
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08.07.2003 / 09.48
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Antwort von Rita Pauls
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Ein halbes Jahr bin ich von Germersheim nach Stuttgart und zurück gefahren mit dem Zug und habe von Stuttgart kaum etwas gesehen, außer U-Bahn-Stationen. Seit Januar lebe ich hier, und mir gefällt die Stadt sehr gut. Sie hat etwas, sie ist hauptstädtisch genug und gleichzeitig ein bisschen provinziell.
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08.07.2003 / 09.48
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Frage:
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Haben Sie von dem Kulturangebot in Stuttgart schon ein bisschen mitbekommen?
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08.07.2003 / 09.49
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Antwort von Rita Pauls
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Ich war unter anderem schon in der Oper und im Literaturhaus.
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08.07.2003 / 09.49
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Frage:
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Oper und Literaturhaus sind ja nicht gerade provinziell - eher international!
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08.07.2003 / 09.49
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Antwort von Rita Pauls
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Ich meinte "provinziell" im guten Sinne, ich mag kleine Städte. Ich könnte z. B. nicht in Berlin leben, das ist mir zu anonym - zu viele Leute, zu weite Wege.
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08.07.2003 / 09.50
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Frage:
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Haben Sie das Gefühl, dass hier in Stuttgart viel Russisch gesprochen wird?
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08.07.2003 / 09.50
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Antwort von Rita Pauls
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Ja, das habe ich bemerkt.
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08.07.2003 / 09.50
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Frage:
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Wo insbesondere?
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08.07.2003 / 09.51
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Antwort von Rita Pauls
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In der Straßenbahn, in der Stadt, in Geschäften - viel zu viel, und für meine Begriffe manchmal nicht sehr gutes Russisch, was Jugendliche angeht.
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08.07.2003 / 09.51
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Frage:
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Sind das überwiegend Kinder von Aussiedlern, oder gibt es auch andere?
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08.07.2003 / 09.51
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Antwort von Rita Pauls
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Ich habe das Gefühl, dass hier nicht so viele Russland-Deutsche sind. Ich weiß es wirklich nicht, die Zahl kenne ich nicht.
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08.07.2003 / 09.51
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Frage:
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Merkt man am Russischen, ob jemand Aussiedler ist oder Exil-Russe?
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08.07.2003 / 09.51
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Antwort von Rita Pauls
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Doch, ich merke das schon an der Sprache oder vielleicht ein bisschen am Aussehen. Ohne jetzt jemanden zu diskriminieren. Das ist klar. Russische Juden zum Beispiel wirken schon ein bisschen urbaner als wir. Wir sind ein bisschen mehr ländliche Typen. Auch das russische Kulturangebot ist sehr gut.
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08.07.2003 / 09.52
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Frage:
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Wo haben Sie das hier kennengelernt?
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08.07.2003 / 09.52
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Antwort von Rita Pauls
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Ich bekomme eine kleine Zeitschrift, in der viele "russische" Veranstaltungen angekündigt werden. So habe ich z. B. erfahren, dass mein Lieblingsregisseur, Jan Fried, jetzt in Stuttgart lebt, und ich habe dann eine Veranstaltung zu seinem Jubiläum besucht. Die ganze Nation liebt ihn. Und zu diesem Jubiläum kamen seine Freunde oder Kollegen aus St. Petersburg und Moskau und gaben eine Vorstellung zu seinen Ehren. Ein sehr gutes Angebot hat ab und zu auch die Volkshochschule, was Filme angeht. Sie zeigen manchmal sehr gute Filme in Originalsprache. Ich habe vor kurzem sogar einen kasachischen Film gesehen.
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08.07.2003 / 09.55
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Frage:
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Sie sind ja mit Ulla Lachauer noch einmal in Kasachstan gewesen. Was haben Sie damals empfunden?
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08.07.2003 / 09.55
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Antwort von Rita Pauls
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Ich war sehr traurig. Weil die Stadt, die ich aus meiner Kindheit und aus der Jugend kannte, nicht mehr meine Stadt war. Sie hat sich verändert. Oder ich habe mich verändert. Beides. Das ist wahrscheinlich so. Als wir 1998 da waren, hat mich das wirklich sehr negativ überrascht, vor allem der Verfall der Stadt.
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08.07.2003 / 09.56
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Frage:
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Welche Stadt war das?
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08.07.2003 / 09.56
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Antwort von Rita Pauls
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Karaganda. Sie ist erst 70 Jahre alt, eine ganz neue Stadt, sie war im Zuge der Industrialisierung 1931 aus der Steppe gestampft worden mit viel Kraft und Gewalt. Jetzt nimmt die Steppe praktisch einen Teil der Stadt zurück. Sie nimmt, was ihr gehört. Plötzlich wachsen da schon irgendwelche Steppengewächse.
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08.07.2003 / 09.56
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Frage:
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Wenn Sie jetzt gefragt würden, was man an kasachstanischer Kultur in Stuttgart zeigen könnte, was würden Sie zeigen? Was ist typisch für Kasachstan?
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08.07.2003 / 09.56
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Antwort von Rita Pauls
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Was ist typisch kasachstanisch? Wahrscheinlich Gastfreundschaft/-freundlichkeit. Es gibt ja so viele Russland-Deutsche aus Kasachstan. Ich glaube, die meisten kommen aus Kasachstan, und dieses gemeinsame Schicksal verbindet sie.
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08.07.2003 / 09.57
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Frage:
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Was noch?
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08.07.2003 / 09.57
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Antwort von Rita Pauls
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Die Küche vielleicht. Ulla Lauchauer hat mir das erzählt. Sie war einmal beim Treffen der russland-deutschen Schriftsteller, und da gab es eine Diskussion, was eine russland-deutsche Küche sei. Einige waren der Meinung, dass die russland-deutsche Küche eine Küche ist, die man aus Ostpreußen oder aus dem Schwabenland nach Russland mitgenommen hat. Andere meinten, nein, das ist eben diese Zusammenmischung, wo immer die Russland-Deutschen ihre Lebensstationen gehabt haben oder haben mussten, haben sie ihre Küche bereichert. In Russland haben sie gelernt, Pelmeni zu kochen, in der Ukraine - Borschtsch. In Kasachstan Manty und Beschparmak und in Usbekistan - Plow.
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08.07.2003 / 09.57
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Frage:
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Gibt's das irgendwo in Stuttgart oder Umgebung?
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08.07.2003 / 09.58
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Antwort von Rita Pauls
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Das weiß ich nicht. Es gibt hier ein russisches Restaurant "Datscha". Aber der Besitzer ist ein Georgier, und natürlich kann man dort Pelmeni und Borschtsch essen. Aber Manty ist eine kasachische Spezialität. Die gibt es dort nicht.
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08.07.2003 / 09.58
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