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Frage der Urbanum Redaktion
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Kurz nach der Machtübernahme von Pinochet in Chile kamen auch Sie ins Gefängnis - warum?
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05.06.2002 / 06.48
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Antwort Vesely
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Weil die Diktatur mit allen Mitteln und sehr erfolgreich den politischen Widerstand bekämpfte. Menschen wie ich, die eher Träumer als wahre Soldaten des Untergrundes waren, hatten in diesem Kampf so gut wie keine Chance, unerkannt zu bleiben. Sie verhafteten mich nicht kurz nach der Machtübernahme, sondern ein Jahr und vier Monate danach.
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05.06.2002 / 06.49
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Frage der Urbanum Redaktion
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Im Gefängnis gab es eine Gemeinschaftsgitarre. Sie haben angefangen, Lieder über das tägliche Leben zu schreiben und zu singen, hat Sie das stärker gemacht? Die Gefängniszeit erträglicher?
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05.06.2002 / 06.51
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Antwort Vesely
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Ja. Aber das Liedermachen war keine überlegte Handlung von mir nach dem Motto, ich schreibe jetzt Lieder, um stärker zu werden. Manchmal denke ich, dass die Gitarre mich ausgesucht hat, um Geschichten zu erzählen von ihr und auch von mir.
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05.06.2002 / 06.51
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Frage der Urbanum Redaktion
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1976 wurden Sie aus Chile verbannt, ausgebürgert, und gingen nach Deutschland - warum Deutschland?
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05.06.2002 / 06.51
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Antwort Vesely
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Weil die frühere BRD – im Gegensatz zu dem, was in der DDR geglaubt wurde – vielen chilenischen Flüchtlingen Asyl gewährte. Als Gefangener hatte ich nichts zu sagen. Niemand fragte uns, wohin wir gerne ins Exil gehen wollten.
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05.06.2002 / 06.52
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Frage der Urbanum Redaktion
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Wie wurden Sie in Stuttgart aufgenommen? Wie fanden Sie Anschluss an ein "normales" Leben?
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05.06.2002 / 06.53
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Antwort Vesely
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Ich kann mich nicht beklagen. Überall fand ich offene Türen. Die Chilenen hatten und haben immer noch gute Freunde in Deutschland. Die Solidarität mit den Opfern der Diktatur war keine Parole, sondern eine Tatsache. Kurz nach meiner Verbannung lebte ich zusammen mit einem anderen Chilenen bei der Oma Rose in Stuttgart-Ost, Gablenberger Str./Ecke Libanonstr. Dort lernte ich das Schwabenland gut kennen. Rose war eine großartige Frau. Sie ist über 100 Jahre alt geworden.
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05.06.2002 / 06.53
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Frage der Urbanum Redaktion
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Kreativität spielt eine große Rolle in Ihrem Leben, hat Ihnen das bei der Integration geholfen?
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05.06.2002 / 06.54
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Antwort Vesely
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Ich glaube schon. Mein Weg war nicht vorgegeben. Zum Glück sind die Menschen hier begeisterungsfähig. Sie tragen Dich in ihren Herzen, wenn Du ihnen etwas ganz Besonderes schenkst... ich spreche von neue Einsichten, andere Blickwinkeln, um sich neu zu sehen.
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05.06.2002 / 06.54
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Frage der Urbanum Redaktion
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Ein besonders enger Freund und Partner wurde für Sie Urs Fiechtner - hat er Sie "germanisiert" oder haben Sie ihn "latinisiert"?
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05.06.2002 / 06.55
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Antwort Vesely
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Wir haben uns so gelassen, wie wir sind und das ist gut so. Alles andere wäre falsch gewesen.
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05.06.2002 / 06.56
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Frage der Urbanum Redaktion
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Sie haben sich dann langsam der deutschen Sprache genähert - warum war das so besonders schwer für Sie?
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05.06.2002 / 06.56
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Antwort Vesely
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Es war nicht schwer für mich. Ich konnte mich sehr schnell verständigen. Aber als Liedermacher hatte ich meine Probleme mir vorzustellen, in deutsch zu singen, wenn plötzlich Wörter wie „Zwetschgen“ vor mir standen.
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05.06.2002 / 06.57
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Frage der Urbanum Redaktion
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Sie bezeichnen sich selbst manchmal als "Hinterweltler" - was ist das?
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05.06.2002 / 06.57
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Antwort Vesely
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Es ist einer, der aus einem fernen Land kommt, auf den die Germanen mit einer Handbewegung zeigen, die meistens nach Süden gerichtet ist – wo vollkommen andere Sitten herrschen.
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05.06.2002 / 06.58
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Frage der Urbanum Redaktion
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Welches war lange Zeit Ihre hartnäckigste Stereotype von den Deutschen?
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05.06.2002 / 06.58
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Antwort Vesely
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Das sind Menschen, die mit freien Mitteln versuchen, das zu verwirklichen, wovon ich als junger Sozialist nur träumte. Und dabei sich jede Menge stupider Verordnungen aufzwingen, die den wirklich freien Lauf der Dinge unterbinden.
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05.06.2002 / 06.59
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Frage der Urbanum Redaktion
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Wenn Sie jetzt Chile wieder besuchen, wie fühlen Sie sich? Und wie werden Sie von den Chilenen behandelt - als Deutscher?
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05.06.2002 / 06.59
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Antwort Vesely
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Es ist immer wieder schön in Chile zu sein. Ich spüre die Kraft, die dort angesiedelt ist, und fühle mich wohl. Wenn ich dort angekommen bin, lasse ich die „deutsche Brille“ im Flugzeug liegen und verlasse mich ganz auf meinen Instinkt. Wir – Chile und ich – begegnen uns selten. Aber ich singe oft unsere Lieder, und wir mögen uns trotzallem.
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05.06.2002 / 07.00
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Frage der Urbanum Redaktion
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Was erzählen Sie ihren Kindern über Chile? Wie nehmen die Kinder das wahr?
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05.06.2002 / 07.00
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Antwort Vesely
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Ich erzähle ihnen, was sich aus dem Leben ergibt. Wir sind auch zusammen in Chile gewesen. Ich glaube, wenn sie eines Tages wollen, werden sie nach Chile gehen und sich dort zuhause fühlen.
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05.06.2002 / 07.01
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